NordLB lanciert digitale Schuldscheinplattform Finpair

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken

Bei der Digitalisierung von Finanzinstrumenten ist speziell um den Schuldschein ein heißer Kampf entbrannt. Nun steigt ein neuer Wettbewerber in den Ring: die Plattform Finpair. Hinter dem Fintech steht die NordLB, die derzeit noch alleiniger Eigentümer der Plattform ist. „Wir wollen uns als Angreifer von Banken positionieren“, sagt Geschäftsführer Michael Jonker, der daneben das Corporate-Finance-Geschäft der NordLB leitet. „Für den Schuldschein braucht es mittelfristig keine Bank als Arranger mehr.“

Unternehmen können sich individuell nach Registrierung ihren Vertrag erstellen. Über die Plattform wird eine indikative Bonitätseinschätzung auf Basis mehrerer Kennzahlen erstellt. Ob Pricing und die Laufzeit der geplanten Transaktion marktfähig sind, teilt ein Finpair-Experte dem Emittenten mit. Erst danach werde ein Mandatsvertrag erstellt. „Die Kosten für die Plattform liegen rund 50 Prozent unter einer klassischen Platzierung“, schätzt Jonker. Dafür müssten die Emittenten im Schnitt etwas mehr Eigenarbeit investieren. Sie erhalten dafür aber auch volle Transparenz über das Orderbuch.

Enercity Erneuerbare Energien erster Finpair-Emittent

Bisher nutzt mit Enercity Erneuerbare Energien GmbH, eine Tochter des Energieversorgers Enercity AG (ehemals Stadtwerke Hannover), bereits ein Emittent die Plattform. Dieser hat vor wenigen Tagen ein Schuldscheindarlehen in Höhe von 100 Millionen Euro über Finpair begeben. CFO Marc Hansmann lobt die Emission über die Plattform als „rasch und reibungslos“.

Weitere Emissionen sind laut Finpair in Planung. In Zukunft solle jährlich eine zweistellige Anzahl von Transaktionen über die Plattform laufen, hofft Geschäftsführer Jonker. Insgesamt werde „der Großteil der Schuldscheinemissionen über einen digitalen Weg gehen“. Finpair will perspektivisch auch neue Gesellschafter aufnehmen, um nicht von der NordLB als einzigem Eigentümer abhängig zu sein.

Inzwischen existiert eine Reihe von Schuldscheinplattformen, darunter unabhängige Fintechs wie Credx oder Firstwire, bankeigene Plattformen wie Debtvision (LBBW) und Synd-X (HSBC) bis hin zu banknahen Fintechs wie VC Trade. Als Wettbewerbsvorteil gegenüber den fast gleichzeitig entwickelten Plattformen sieht Michael Jonker etwa die Benutzerfreundlichkeit von Finpair. Außerdem ermögliche der „schlanke technische Prozess“ kleinere Tranchen als bisher üblich.

Info

Keine Neuigkeiten aus dem Treasury mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos den DerTreasurer-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Markus Dentz ist Chefredakteur von DerTreasurer und der Fachzeitschrift FINANCE. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury.